Über Alicia
Alicia Hartung lebt und arbeitet als Schriftstellerin und freie Lektorin im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg, wo sie 1990 auch geboren wurde. Seit ihrem Studium der Literatur- und Filmwissenschaft in Berlin und Sydney schreibt sie Belletristik, Fantasy und Phantastik.
2020 erschien ihr erstes Buch, eine Kurzgeschichtensammlung inspiriert von den Corona-Jahren, 2024 ihr erster Roman „Selbstverständlich Selbstbestimmt“.
Persönliche Worte – in Kurzform
Wenn ich mich selbst, so wie ich in dieser Welt lebe, als DnD-Charakter beschreiben müsste, wäre ich ein Barde mit Hintergrund Schreiber und Expertise im Nachforschen. Erworben bei einem Masterstudium der Literaturwissenschaft.
Mir war aber schnell klar, dass ich lieber eigene Bücher schreiben wollte: phantastische Geschichten, die ich selber gerne lesen würde. Warum ausgerechnet Fantasy? Weil diese angebliche Weltflucht den Blick weitet, das Unmögliche denkbar macht und faszinierende Fragen aufwirft. Moralische Grautöne interessieren mich sehr.
»Meine Protagonisten sind im Grunde ihres Herzens allesamt anständige, aber leicht zerbeulte und keineswegs unbesiegbare weiße Ritter, die sich in komplexen, moralisch grauen Welten so rechtschaffen wie möglich zu verhalten versuchen – mit schwerwiegenden Entscheidungen, hohen Kosten und teilweise nicht absehbaren Konsequenzen.«
Auch eine weitere Antriebskraft kann ich wunderbar ins Schreiben einbauen: Es gibt für mich kein unnützes Wissen. Ich will in allen Bereichen dazulernen; sei es auf Reisen, durch die Kunst, in Museen oder Bibliotheken. Dabei finde ich auch meine Inspirationsquellen.
»Vor allem aber macht es mir große Freude, Wörter in die richtige Reihenfolge zu bringen.«
Ein Satz, der die richtige Stimmung erzeugt und alles auf den Punkt bringt, hat für mich einen besonderen Klang. Unterm Strich geht es darum, ein Erleben in Sprache zu übersetzen, damit andere dieselbe Erfahrung machen können – an einem anderen Ort und zu einem anderen Zeitpunkt. Näher kann man der Magie in unserer Welt kaum kommen.
Apropos Magie. Falls sich jemand fragt, welcher Dnd-Charakter ich in anderen Welten wäre: ein Bannmagier mit Talent zum Heilen.
Die lange Version
Soweit ich zurückdenken kann, fand ich die Welt um mich herum schon immer äußerst spannend. Gerade das Beobachten von Tieren und der Natur haben mich als Kind fasziniert – und meine Mutter erzählt noch heute gerne von unseren wöchentlichen Radtouren zu einem ganz bestimmten Getreidefeld, auf dem ich mit wissenschaftlicher Akribie die Ähren vermessen und ihr Wachstum in meinem Forschungstagebuch protokolliert habe. Damals konnte ich noch nicht wirklich schreiben, aber der Wille zählt, und später hätte ich tatsächlich um ein Haar Biologie studiert.
In der Schule fiel meine Neugier auf fruchtbaren Boden. Und auch mit meinem Umfeld hatte ich Glück. Ich habe nie solche Sätze gehört wie: „Toll, dass du eine Eins in Physik bekommen hast. Und das als Mädchen!“, die zwar bestärkend gemeint sind, aber am Ende doch nur aussagen, dass Mädchen diese Art von Bestärkung brauchen. Es war für mich als Kind und Jugendliche ganz selbstverständlich, dass ich einfach ich bin und keine Gewichte trage, gegen die ich ankämpfen müsste.
»Vielleicht schreibe ich deshalb so oft über Figuren, die für sich diese Selbstverständlichkeit, sich nicht mit unzeitgemäßen Hindernissen aufhalten zu müssen, einfordern.«
So kam es auch zu dem kurzen Intermezzo in der Belletristik: Zu dieser Zeit war Selbstbestimmung mein persönliches Thema, da es mich zutiefst schockiert hat, wie schnell sie einem abgesprochen wird, sobald man aneckt und gegen den Strom schwimmt.

Möglichst viel über unsere eigene Welt zu erfahren, hat mir aber nie ausgereicht. Die anderen Welten der Phantasie, die sich zwischen Buchdeckeln, auf einem Bildschirm oder in jeder Art von erzählter Geschichte fanden, zogen mich genauso in ihren Bann. Darin liegt für mich die Magie des Geschichtenerzählens: Solange man gebannt zuhört, verblasst das eigene Leben und die Fiktion wird die neue Realität. Umgekehrt macht auch das Schreiben frei, aber auf andere Weise. Mehr darüber erzähle ich in den Häufigen Fragen. Diese Begeisterung war der Grund, warum ich mich schließlich doch für ein Literaturstudium und gegen die Biologie entschieden habe.
Reisen ist für mich eine wichtige Säule im Leben, um andere Lebensweisen kennenzulernen und offen für Neues zu bleiben. Südamerika begeistert mich mit seiner Natur, den lebensfrohen Menschen und den alten Hochkulturen immer wieder. Auch an Europa und Deutschland als Reiseziel schätze ich vor allem die lange Geschichte und die große kulturelle Vielfalt auf so engem Raum. Als Student habe ich ein halbes Jahr in Australien, in Sydney, gelebt, aber trotz aller Reiselust zieht es mich doch immer wieder zurück nach Berlin.





