Ein Autor, drei Pseudonyme

Ein Autor, drei Pseudonyme

Was für Literatur schreiben Sie und wie unterscheiden sich Ihre Pseudonyme?

Die Phantastik in all ihren Facetten – von Märchen und Mythologie über Fantasy und Horror bis hin zur Science Fiction – ist nicht nur privat der Lesestoff meiner Wahl, sondern auch für mich als Autor ein Feld unbegrenzter Möglichkeiten. In keinem anderen Bereich der Literatur kann man so frei darüber spekulieren, was wäre wenn…, Zukunftsvisionen und Gesellschaften entwerfen, den Urängsten Gestalt verleihen und über das Wesen der Welt philosophieren. Mit meinen Pseudonymen lege ich mir bewusst keine engen Genre-Grenzen auf, sondern unterscheide sie nach Schreibstilen.

Pseudonyme für verschiedene Genre erleichtern das Marketing für einen Autorennamen. Sind mehrere Schreibstile für den Leser nicht eher verwirrend?

Das sehe ich nicht so. Philosophisch-nachdenklich (Alessandro Bruni), spannend-unterhaltsam (A.V. Harding) und ironisch-satirisch (Virginia Kunert) sind recht klare Unterscheidungen, die für mich weit besser funktionieren als das künstliche Aufspalten der Phantastik. Außerdem kann ich mir vorstellen, in Zukunft hin und wieder Ausflüge in komplett andere Genres zu unternehmen, in denen mich meine Leser dann am Schreibstil wiedererkennen können.

Das klingt sehr experimentierfreudig.

Ich probiere gerne Neues aus, das stimmt. Meine Pseudonyme sind zum Beispiel durch meinen Autorenblog „Aus der Schublade“ entstanden, auf dem ich regelmäßig phantastische Kurzgeschichten teile und die Identität des Autors bewusst verschleiere.

Können Sie uns trotzdem etwas Privates über sich verraten?

Ich wurde 1990 in Berlin-Prenzlauer Berg geboren, habe mal Klavier gespielt, reise gerne (vor allem zu Ausgrabungsstätten, Altstädten und Schlössern, in die Natur und in Metropolen wie London), koche selbst und brauche jeden Morgen eine Trinkschokolade als Tagesstart. Studiert habe ich Europäische Literaturen an der Humboldt-Universität und nach mehreren Praktika im Bereich PR- und Öffentlichkeitsarbeit wurde mir klar, dass ich ganz dringend selbstständig arbeiten will. Am Autorenleben gefällt mir vor allem, dass ich mich bei jedem Projekt in ganz andere Wissensfelder einlesen muss und dabei immer weiter lerne.

Wie stehen Sie zu den lang anhaltenden Eskapismus-Vorwürfen gegen die Phantastik? Sind Ihre Texte eine Form von Weltflucht?

Jede Art von Kunst ist insofern eine Weltflucht, dass man für einen Augenblick sein eigenes Leben vergisst und sich auf eine neue Situation einlässt, indem man sich zum Beispiel in andere Personen hineinversetzt. Phantastik unterscheidet sich von anderer Kunst nur dadurch, wie weit die beschriebenen Orte und Szenarien von unserer Realität entfernt sind. Gerade diese Distanz macht es aber möglich, sehr frei über unsere Welt und ihre Probleme zu sprechen.

Über was schreiben Sie dann zum Beispiel?

Wiederkehrende Themen sind unter anderem Umweltschutz und Bevölkerungswachstum, Digitalisierung und der künstliche Mensch, das Leben in der Großstadt, was ist real?, das Schicksal und der freie Wille, verborgene Kräfte, die in der Welt schlummern, das Finden des eigenen Lebensweges, Religion und Wissenschaft, sowie die Authentizität des Autors. Vor allem geht es mir aber darum, den Blick auf die schönen Seiten unserer Welt zu richten, damit wir uns im Alltag immer wieder bewusst werden, dass sie die Anstrengungen wert ist, die es braucht, um sie zu bewahren.

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